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Quartett
Teil 61 - Unendlich
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Informationen
- Story: Quartett
- Autor: ratte-rizzo
- Die Story gehört zu folgenden Genre: Science Fiction, Fantasy und Mystery
67. Unendlich
“Wo sind wir?”
“Wir nennen es den Ibtus.”
“Das hilft mir jetzt auch nicht weiter.”
“Nun, Du hast gefragt.”
FX war mit Emil im Huckepack in das Antipoden-Portal gesprungen, weil er durch Hennes Erfahrungen gelernt hatte, die neue Art von Energie aufzunehmen und mit ihr genauso umzugehen, wie mit allen anderen Energieformen zuvor auch. Seine größte Herausforderung war gewesen, diese übergeordnete Energieform in ihrer Reinheit zu akzeptieren und als Ursprung alles anderen zu sehen. Das wiederum hatte ihn dazu verleitet, ziellos in das Portal zu springen und die damit verbundene Gefahr zu ignorieren oder besser gesagt zu vergessen.
“Es ist nicht besonders wohnlich hier.”
“Und das sagt der Typ, der in einer komplett weißen Welt ein und aus geht. Naja, das Gute hier ist, dass Du es Dir hier so machen kannst, wie Du es für gemütlich hältst. Das Schlechte daran ist, dass man hier nicht wieder rauskommt. Wir sind gerade in der Unendlichkeit der Portale, dem Ibtus.”
“Emil, nun verarsch mich nicht. Du hast erstens gesagt, dass Du mich beschützen wirst und zweitens, dass Du mitkommen wirst. Letzteres ist schon mal passiert. Ich gehe daher nicht davon aus, dass Du mit mir hier den Rest des Lebens versauern willst. Also hast Du einen Plan B.”
“Meine Fresse, Dich kann man aber auch garnicht aus der Fassung bringen, was?”
“Nein. Außer … Ich bin vorhin etwas ins Schwitzen geraten, glaube ich. Das ist mir im Nachhinein peinlich, um ehrlich zu sein. Entschuldige bitte.”
“Etwas? Du untertreibst. Aber es sei Dir verziehen, meine erste Reise durch ein Portal war ähnlich nervenaufreibend.”
“Also, was ist Dein Plan B? Die anderen werden warten.”
“Jein. Es ist hier ein Bisschen wie in Deinem Weiß. Es ist möglich, dass draußen keinerlei Zeit vergeht, aber auch das genaue Gegenteil kann der Fall sein. Es ist … kompliziert, zumal Zeitreisen mit Portalen definitiv nicht funktionieren. Will sagen, man kann hier nicht beeinflussen, wie viel Zeit in der Welt verrinnt, während wir hier festsitzen.”
“Dein Plan B?”
“Ehrlich gesagt bist Du mein Plan B.”
FX rollte mit den Augen, was Emil nicht sehen konnte, hing er nach wie vor noch Huckepack an FX dran. Und irgendetwas in FX sagte ihm, dass der permanente Körperkontakt zu dem Schattenjäger hier lebensrettend sein würde.
“In der Tat, loslassen sollten wir uns hier nicht. Das wäre ungünstig.”
“Danke, darauf wäre ich jetzt nicht gekommen.”
“Und Dein Plan C?”
“Den gibt es in der Tat, und der funktioniert auch! Aber ich würde erst gerne gucken, ob Du uns hier wieder rausbringen kannst. Reine Neugierde.” Emil, der FX immer noch fest im Nacken hielt, damit sie stets einen sicheren Körperkontakt hatten, blickte herausfordernd um diesen herum, bevor er fortfuhr. “Mein Plan funktioniert wirklich, ich hab ihn schon getestet. Ich habe eine Art Rettungsleine verankert, bevor Du gesprungen bist. Daran kommen wir wieder zurück.”
“Du hast das nicht wirklich schon mal gemacht, oder?”
“Doch. Aber sprich Paul bitte nicht drauf an. Er wird bei diesem Thema schnell sehr mürrisch. Und das ist noch sehr milde ausgedrückt. Es gibt auch nicht viele Schattenjäger, die das schon mal gemacht haben. Es ist natürlich nicht ganz frei von jeglichem Risiko.”
“Und zu zweit …”
“... ist es defintiv ein Novum!”
“Okay, gib mir einen Augenblick für Plan B, bitte.”
“Gern, wir haben hier beliebig viel Zeit.”
“Arschloch!”
Der ständige Kontakt mit Emil störte FX etwas. Er hätte sich lieber frei und ungehindert in diesem Energiefeld bewegt, um es genauer spüren und aufnehmen zu können. Aber er war sich durchaus seiner fragilen Lage bewusst. Vielleicht würde er es ohne Emil hier nicht wieder heraus schaffen und damit bis in alle Ewigkeit im Ibtus gefangen sein. Und das war definitiv nicht sein angestrebtes Ziel.
Daher versuchte er, sich so wenig wie möglich von Emils Präsenz und seinem ständigen Kontakt stören zu lassen. Mit allen Sinne nahm er diese noch unbekannte Reinheit der Energie in sich auf und versuchte sich einen Reim daraus zu machen, wie sie funktionierte oder wie er sie leiten konnte. Aber dieses Feld schien ganz eigene Ideen davon zu haben, was es machen wollte und was nicht. Sämtliche Versuche von FX, mit dem Portal zu interagieren, schlugen fehl.
Im zweiten Anlauf wischte FX seine fünf Sinne beiseite und versuchte über die Metaebene irgendetwas zu erreichen. Jedoch musste er feststellen, dass dieses hochenergetische Feld auch keinerlei Gefühlsregungen oder sonst etwas verlauten ließ. Es war absolut passiv und saugte nur ständig …
Er hielt inne.
FX rief sich wieder in Erinnerung, was Emil früher am Abend noch gesagt hatte. Tatsächlich war der Schlüssel zur erfolgreichen Bedienung des Portals, dass man sich für den Transport den Zielort möglichst präzise vorstellen musste. Was also, so schlussfolgerte FX, wenn er jetzt einfach an den Springbrunnen und den Innenhof der alten Universität dachte? Er schloss die Augen und konzentrierte sich. Doch ihm wollte das passende Bild partout nicht einfallen! Seine Erinnerung war wie leer gefegt.
Er wagte einen zweiten Versuch. Ein Bild, was mit mehr Emotionen beladen war. Negative Emotionen, denn die funktionieren einfacher, als positive. Sein neues Bild war eines, welches mit starken Emotionen verbunden war: Sein so verhasstes WG-Zimmer, bevor er die Bestätigung für das Stipendium an dieser Eliteuniversität bekommen hatte. Aber auch das Zimmer war weg.
Seine letzte Chance, etwas, dass er mit Sicherheit nie vergessen würde, blieb ihm als letzte Möglichkeit: Tarragona zur Zeit seiner Kindheit. Mehr Emotionen konnte er gewiss nicht mit einem Ort verbinden als den, an dem seine Familie verbrannte. Mit Entsetzen und auch ein klein bisschen Erleichterung stellte er jedoch fest, dass er sich auch diesen Ort nicht mehr ins Gedächtnis rufen konnte.
“Dein Hirn ist irgendwie leer und doch nicht so richtig leer, nicht wahr? Du hast Erinnerungen, aber keine Bilder.”
“Es ist schon etwas beängstigend.”
“Man merkt es eigentlich nicht, weil der Transport durch ein Portal von A nach B nur den Bruchteil einer Sekunde dauert. Es fällt einem erst auf, wenn man längere Zeit hier ist. Es ist, als habe das Portal alles aus einem herausgelesen, was jemals drin war.”
“Ich sehe ein, dass es nicht so trivial ist, wie gedacht.”
“Du gibst auf?”
“Mitnichten!”
Einen Joker hatte FX noch im Ärmel, auch wenn er dessen Wirksamkeit langsam in Frage stellte, nachdem sich dieser Nicht-Ort als so ganz anders darstellte, wie er es jemals gewohnt war. Aber eines hatte Emil noch erwähnt: Die Portale dienen ausschließlich des räumlichen Transportes und nicht für Reisen durch die Zeit.
Er selbst aber war ein Meister, was das Arrangieren der temporalen Kontinuität betraf. Immer wieder kamen Kollegen auf ihn zu, um seine Expertise zu hören, was man im Falle verzwickter Zeitarrhythmien unternehmen könnte. Und stets war er es, dem eine passende Lösung eingefallen war, die bestechend einfach und gleichzeitig elegant war. Wenn also, wie Emil behauptete, dieses Portal von Zeit keinerlei Ahnung hatte, dann wäre das die einzige Chance, hier jemals wieder heraus zu kommen.
“Emil, Plan B ist fertig.”
“Ich höre.”
“Wir machen einfach eine Zeitreise zurück in die Vergangenheit. Einfach kurz bevor wir in das Portal hinein gesprungen sind.”
Emil antwortete zunächst nichts, sondern überlegte angestrengt.
“Prinzipiell könnte es funktionieren. Aber halt nur prinzipiell! Das Portal besteht zwar aus der absolut reinen Energie der viel Elemente Feuer, Wasser, Erde und Luft, berücksichtigt demnach nicht die Zeit. Allerdings ist es so, dass die Zeit hier auch alles andere als normal abläuft. Glaube ich zumindest. Paul war damals sehr außer sich, als ich in den Ibtus gegangen war. Und nicht nur wegen der Tatsache überhaupt, sondern weil es für ihn extrem lange gedauert hat, während ich gefühlt weniger als eine Minute hier drin war. Ich will sagen, dass die Zeit hier irgendwie anders ist.”
“Oh, das ist die typische Verzerrung des Chronos, wie es zum Beispiel auch in Taschenuniversen passieren kann. Du kannst Henne fragen, der kann Dir ein Lied davon singen. Ein Liebeslied, um genau zu sein. Aber keine Sorge, damit kann ich umgehen – normalerweise zumindest.”
“Normalerweise?”
“Naja, hier ist so wenig normal. Um nicht zu sagen: Hier ist alles anders! Ich jongliere normalerweise ständig mit den verschiedensten Energieformen herum, aber dieses Pure hier ist so unfassbar, es entgleitet mir nicht einmal, nein, es lässt sich nicht einmal fassen.”
“Ja, das Portal spricht seine eigene Sprache, die man definitiv nicht versteht.”
“Genialer Gedanke! Emil, das ist es!”
“Wie meinen?”
“Nun, die Vier Elemente sind hier keine Materie, sondern reine Energie.” Emil nickte zustimmend. “Was, wenn wir zu den Vier Elementen einfach ein fünftes hinzufügen?”
“Du meinst, Du willst die Zeit als fünftes Element sehen und es damit für das Portal greifbar machen?”
“Du hast es erfasst! Dadurch, dass man Zeit wie eine Art Energie, die ja auch nicht erzeugt oder vernichtet werden kann, wäre sie vollkommen mit der Denkweise des Portals in Einklang. Und da ich mich mit Zeit perfekt auskenne, spreche ich auch die Sprache des Portals. Oder zumindest einen Dialekt davon.”
“Okay, Bühne frei!”
Etwas mulmig war FX schon zu mute. Er war sich nicht sicher, ob er gerade nicht den Mund etwas zu voll genommen hatte. Zeit als Energie zu betrachten war selbst in seinen Kreisen ein vollkommen neuer Ansatz, wenn auch nicht ganz verrückt, wie er feststellen musste. Zumindest hätte es den charmanten Vorteil, dass er sehr präzise in dieser Welt navigieren könnte, wenn er eine ähnliche Energieform verwenden würde. Mit einer klassischen Zeitreise hier heraus wäre die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass er den richtigen Moment der Zeit nicht erwischen und so den Ausstieg verpassen würde. Aber mit der Übersetzung der Zeit in das Energie-Äquivalent wäre die Reise genauso präzise, wie er es gewohnt war.
“Okay, bereit für das fünfte Element?”
Emil nickte und FX schloss die Augen.
Wie durch Zauberhand erschienen vor seinem inneren Auge erstmals wieder Bilder. Nacheinander waren es die vier Zirkel der Vier Elemente. In Gedanken wirbelte er sie durcheinander, stapelte sie aufeinander und versuchte, sie in eine logische Reihenfolge zu bringen, damit sie möglichst wenig störten. Irgendwie musste es ihm gelingen, zu diesem Quartett der Elemente noch ein weiteres Puzzleteil hinzuzufügen. Und tatsächlich kam ihm der geniale Einfall: Er nahm sich eine gigantische Sanduhr und beförderte die vier Zirkel in das obere Uhrenglas. Fasziniert beobachtete er, wie die Vier Elemente sich der neuen Situation anpassten. Die Zirkel lösten sich kurz vor Erreichen des Auges der Uhr auf, vermischten sich und rieselten wie erwartet langsam hindurch, um sich im unteren Glas erneut zu trennen.
“Jetzt hab ich Dich!”
FX murmelte es mehr zu sich selbst, aber auch Emil war ganz entzückt, hatte er doch durch die Transparenz der Gedanken im Ibtus einen vollständigen Einblick in den letzten Versuch von FX.
In Gedanken drehte dieser nun langsam die große Sanduhr um. Das gestaltete sich überraschenderweise schwerer, als gedacht. Aber erleichtert stellte FX beim Drehen fest, dass er nicht gegen einen unmöglichen Widerstand anarbeiten musste, sondern dass es einfacher wurde, je weiter er drehte. Er war sich sicher, wenn er das ein zweites Mal machen würde, würde es deutlich einfacher sein. Falls er es jemals wieder machen müsste.
Und tatsächlich passierte genau das, was er erwartet hatte. Die vier Elemente rieselten erneut in das untere Uhrenglas. Der Teil schien hier also wirklich zu funktionieren. Aber es gab irgendwie keine Verbindung zu ihrer eigenen Realität, sofern man in dieser Energiewelt überhaupt von Realität sprechen konnte.
Eigentlich wollte FX schon resigniert auf Plan C zurückgreifen, da spürte er plötzlich, wie Emil und er sich von seiner gerade erschaffenen Sanduhr entfernten und sie immer kleiner wurde. Tatsächlich startete gerade ihre Reise rückwärts durch die energetische Welt des Portals. Dank seines fotografischen Gedächtnisses, was anscheinend selbst hier in dieser Energiewelt immer noch funktionierte, bemerkte er, dass sie tatsächlich exakt den selben Weg rückwärts zurücklegten, den sie eine ungewisse Zeit zuvor gekommen waren.
“Fünf Sekunden!”
Pauls Nase berührte fast die von Emil, während er ihn mit fast zusammengekniffenen Augen voller Wut und hochrotem Kopf anstarrte.
“Hatte ich Dich nicht darum gebeten, das nie wieder zu tun? Meinst Du, ich hab nicht mitbekommen, was Du vorhattest? Meinst Du, ich habe nicht Deinen Anker bemerkt? Glaubst Du etwa, ich hätte ihn nicht von meiner Seite aus ebenfalls verstärkt? WAS DENKST DU DIR EIGENTLICH?” Pauls Stimme überschlug sich und wurde zu einem schrillen Kreischen. Fast weinerlich und flüsternd fügte er noch hinzu: “Ich liebe Dich doch …”
Die kleine Gruppe brauchte einen Augenblick, bis sie sich wieder beruhigt und jeder jeden umarmt hatte. Obwohl unzählige Fragen im Raum standen, traute sich noch keiner, sie auszusprechen. Die passende Gelegenheit würde sich dafür früher oder später noch bieten.
“Okay, wir haben Euch das Portal angeschaltet. Aber Ihr seid die Bewacher. Wie geht’s denn jetzt weiter? Habt Ihr einen Unsichtbarkeitszauber dafür oder was?”
“Öhm…” Verlegen kratzte sich Paul am Kopf, bevor er fortfuhr. “Tatsächlich gibts eine Rune für Unsichtbarkeit. Die werden wir hier auch verwenden. Aber nicht ausschließlich, denn wenn doch zufällig jemand in das Portal stolpert, wäre das wirklich verheerend. Unsichtbar bedeutet ja, dass es noch da ist, man es nur nicht mehr sieht.”
“Paul, ich schlage vor, wir legen noch einen Bann drum herum, sowie die Rune der Ignoranz.”
“Diggi, sach nich, dass es eine Rune der Ignoranz gibt. Du verarscht uns jetzt doch!”
“Nein, das würde mir nie im Traum einfallen, Ben! Paul, darf ich ihm zeigen, wie sie funktioniert?”
Der so angesprochene rollte nur mit den Augen, nickte aber mit einem leichten Schmunzeln.
“Okay, Ben, wen aus unserer Gruppe findest Du am geilsten? Wer macht Dich von uns am meisten an? Mit wem würdest Du gern mal in die Kiste steigen?”
“Echt jetzt, Diggi?”
“Ja, klar! Je stärker die Bindung zum Objekt, desto besser funktioniert die Rune.”
“Du, Emil.”
Ben wurde knallrot. Und nur mit Mühe konnte er sich ein ‘das weißt Du doch’ verkneifen.
Emil musste laut lachen. Natürlich dachte Emil sehr gerne an den Strand in Tarragona zurück, als Ben ihm mit seiner Stele die Rune der Stärke erneuert hatte und sie direkt danach Sex hatten. Genau deswegen hatte Emil erwartet, dass Ben jemand anderen als Ausrede nennen würde. Die Ehrlichkeit dieses süßen Skaterboys war entwaffnend.
“Okay, als Bonbon, weil Du bei dem Experiment mitgemacht hast, soll Dein Wunsch in Erfüllung gehen. Aber erstmal …”
Emil zog seine Stele aus der Hose, lupfte sein T-Shirt etwas und strich über eine kleine Rune an seiner Seite. Die pechschwarze Farbe leuchtete kurz rotgolden auf, sonst passierte nichts weiter.
Verdutzt drehte sich Ben um. Blickte zu Paul und danach zu seinen anderen Freunden und jedem nach einander tief in die Augen. Aber niemand der vier schien sich für Ben auch nur zu interessieren. Stattdessen schauten sie alle irgendwie an Ben vorbei und waren sehr gebannt von dem, was sie da sahen. Ben wiederum drehte sich um, musste jedoch feststellen, dass es nichts zu gucken gab.
“Okay, Diggis, genug der Show. Wasn nu los? Ihr müsst mir nix vorspielen.”
“Ben, wir spielen Dir gewiss nichts vor.” Henne war einen Schritt vorgetreten und drehte Ben vorsichtig in die Blickrichtung der anderen. “Wir genießen nur die Show! Emil legt für uns gerade einen atemberaubenden Striptease hin. Paul, irgendwie hat uns Dein Mann etwas verschwiegen, kann das sein? Ist er in seiner Freizeit vielleicht ein Tabledancer oder so etwas?”
Paul hob unschuldig die Arme. Es gab einfach Dinge, mit denen wollte er definitiv nichts zu tun haben, auch wenn er sich der mehr als ansehnlichen Darbietung seines Freundes selbst nicht entziehen konnte. Er fand seinen Partner so unglaublich sexy, wenn er das tat.
“Diggi, verarschen kann ich mich selber! Emil is gar nich da!”
“Okay, Ben, das ist die Rune der Ignoranz und sie funktioniert ganz hervorragend. Wenn Du knapp dran vorbei schaust und Dich dann entspannst und versuchst, gar nichts zu sehen, kannst Du ihn mit etwas Glück im Augenwinkel erahnen.”
Paul drehte Bens Kopf etwas weiter zur Seite. Dieser hingegen schüttelte skeptisch den Kopf und riss sich wieder los. Dann versuchte er jedoch, an nichts zu denken und seinen Geist schweifen zu lassen.
“Diggi, das ist ja schar… Oh, jetzt ist er wieder weg.”
“Ja, man darf nicht hinschauen!”
Emil aktivierte die Rune erneut und schon erschien er fast vollständig nackt vor Ben, der mit weit aufgerissenen Augen und Mund einen Schritt zurück ging. Zwar hatte er Emil im Sommer schon in Badehose am See gesehen, aber hier hatte er noch viel weniger an, und die zusätzlichen Quadratzentimeter Haut ließen ihn das Blut aus dem Hirn schwinden und sich in seiner Leistengegend wieder vereinen.
“Okay, Junx, genug gealbert. Emil, lass uns die drei Barrieren anbringen und dann möchte ich gerne noch einen Absacker im Kaminzimmer trinken. Ich hab da noch die eine oder andere Frage!”
Die beiden Schattenjäger schalteten sofort wieder in einen professionellen Modus um, brachten ihre Runen an dem Brunnen an und kontrollierten sich noch einmal gegenseitig. Nachdem beide hier und dort noch Kleinigkeiten korrigiert hatten, waren sie schließlich zufrieden und aktivierten ihre Runen. Die blassblau schimmernde und pulsierende Kugel verschwand und zurück blieb lediglich der Springbrunnen in der Mitte des Burghofs. Selbst das Plätschern des Wassers war wieder zurück.
“Aber der Brunnen ist ja noch da.”
Henne wusste nicht, was er erwartet hatte. Aber es verwunderte ihn, dass er den Brunnen noch sehen konnte. Andersherum wäre es auch mehr als komisch und verdächtig gewesen, wäre er verschwunden.
“Stimmt! Dann geh doch mal hin und kühl Deine Hand im frischen Wasser!”
Zielstrebig ging Henne auf den Brunnen zu, bog jedoch kurz vorher enttäuscht ab.
“Irgendwie hab ich gerade ganz plötzlich die Lust dazu verloren”, stellte er selbst verwundert fest.
“Die Runen funktionieren also bestens!”
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